heringsdorf






Auferstanden aus Ruinen


Zwei Gebäude – ein Problem: Die Schwimmbäder im Kurhotel Heringsdorf und in der benachbarten Kurklinik Heringsdorf mussten total saniert werden. In der vergangenen Ausgabe hatten wir die Sanierung der Schwimmhalle im Kurhotel beschrieben (siehe spa & home 3/4-14, Seite 122 ff.) Mit der Fertigstellung der Schwimmhalle im Kurhotel begannen bereits die Planungen für eine Sanierung der gegenüberliegenden Kurklinik. Über einen Querriegel zwischen den beiden Gebäuden sind sie miteinander verbunden. Die beiden Schwimmhallen von Kurhotel und Kurklinik liegen sich also unmittelbar gegenüber. Auch bei diesem Projekt hatte das Schwimmbadbau-Unternehmen Hütel & Meß den Auftrag zur Sanierung der Schwimmhalle bekommen. Genau wie bei der Poolanlage des Kurhotels kam hier ein PVC-Fertigbecken der Firma Vario Pool System zum Einsatz. Aufgrund der schwierigen Einbringungsmöglichkeit musste das 70 m2 große Becken in sechs Teilen angeliefert und in die Schwimmhalle eingebracht werden, wo es dann zum kompletten Schwimmbecken zusammengebaut wurde. Der Pool wirkt optisch gesehen wie zwei unterschiedlich große Rauten in Achteck- und Sechseckform, die an den Spitzen miteinander verbunden sind. Ähnlich wie bei der Poolanlage im Kurhotel wurde auch hier das Becken millimetergenau in die vorhandene Betongrube des Vorgängerbeckens eingebaut.
Bei diesem Projekt gab es noch ein paar Besonderheiten, wie Peter Hütel von Hütel & Meß erläutert: „Es gab seitens der Hotelleitung die Vorgabe, dass es ein Solebecken werden sollte.“ Seit Generationen wird nämlich in Heringsdorf Natursole gewonnen und als Heilmittel eingesetzt. Auch in dem Thermalbad von Heringsdorf kommt die Natursole zum Einsatz. „Wasseranalysen haben ergeben“, so Peter Hütel weiter, „dass die Sole einen großen Eisen- und Mangan-Anteil hat. Wenn wir nur die Heringsdorfer Sole als Schwimmbadwasser verwendet hätten, wäre der Einsatz einer Enteisungs- und Entmanganisierungsanlage notwendig gewesen. Und selbst dann wären Rostfahnen an den Einläufen zu befürchten. Unser Lösungsvorschlag war deshalb, den Ospa-Solebereiter einzusetzen. Das heißt, es kommt dasselbe Salz zum Einsatz wie auch in den Ospa-Chlorozonanlagen. Mit der erzeugten Sole speisen wir den Schwallwasserbehälter und mischen zu etwa einem Drittel die Heringsdorfer Natursole dazu. Diese ist dann so verdünnt, dass sie keinen Schaden anrichten kann.“ Die Wassertemperatur beträgt 32° C. Den Badegästen steht eine Solekonzentration von 1 % bis maximal 2 % zur Verfügung. Die Einstellung der Gesamtsolekonzentration erfolgt automatisch über die Regelung des Solebereiters.
Natürlich ist die ganze Ospa-Schwimmbadtechnik solebeständig ausgelegt. Die Sole läuft über eine Leitwertmessung, so dass der Betreiber die Solekonzentration selbst einstellen kann. Im Wasserspeicher ist eine Solekammer integriert, die mit Kochsalz bestückt ist. Eine automatische Wassernachspeisung füllt die Solekammer, so dass eine gesättigte Solelösung vorgehalten wird. Diese wird dem Badewasserkreislauf auf Anforderung der automatischen Solemessung zudosiert, dass die voreingestellte Solekonzentration immer gewährleistet ist. Mittels frequenzgeregelter Pumpen kann der Betreiber die Anlage bei Bedarf auch nur mit halber Kraft fahren. Er kann die Werte an einem Touchpanel einstellen, dass sich an der Rezeption vom Kurhotel befindet, die der zentrale Anlaufpunkt für beide Häuser ist.  
Die Schwimmbadtechnik wurde komplett in dem Technikraum im Kellergeschoss installiert und ist entsprechend den Anforderungen der DIN19643 Teil 2 „Adsorption – Flockung – Filtration – Chlorung“ ausgelegt. Unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Filtergeschwindigkeit bei Solewasser von 20 m/h, der technischen Machbarkeit und der mit dem Betreiber abgestimmten örtlichen Gegebenheiten wurde ein Volumenstrom von 64 m3/h ausgewählt. Danach liegt die stündliche Nennbelastung bei 32 Personen. Zur Aufbereitungsanlage gehören neben frequenzgeregelten Pumpen vier Ospa-Mehrschichtfilteranlagen mit einer Filterleistung von 16 m3/h bei 20 m/h Filtergeschwindigkeit, eine Ospa-Chlorozonanlage zur kontinuierlichen Desinfektion des Beckenwassers, die Flockungsmitteldosierung, pH-Werteinstellung und die Steuerungsanlage Ospa-BlueControl. Zur kontinuierlichen Registrierung der Hygieneparameter ist eine Computerschnittstelle integriert. Hier werden in definierten  Zeitabständen die Wasserwerte registriert und alle Betriebs- und Störmeldungen aufgeschaltet, so dass permanent ein Überblick über die Betriebszustände der Gesamtanlage gewährleistet ist. Zusätzlich wurde mit dem Betreiber ein halbjährlicher Wartungsvertrag abgeschlossen.
Zu den weiteren Sanierungsmaßnahmen gehörte außerdem die Auskleidung der Schwimmhalle mit ISO-Wärmedämmung und Dampfsperre sowie eine neue energieeffiziente Entfeuchtungs- und Lüftungstechnik. Zum Einsatz kommt eine Poolair-Anlage mit rekuperativer Wärmerückgewinnung. Die Anlage verfügt über einen großen Plattenwärmetauscher mit einem hohen Wärmerückgewinnungsgrad. Zum Einsatz kommen nur EC-Ventilatoren, die die Luft an den Plattenwärmetauschern vorbei zirkulieren lassen. So ist der Stromverbrauch der Anlage gering. Über ein Kanalsystem ist das Gerät mit der Schwimmhalle verbunden.
Nun präsentieren sich beide Schwimmhallen technisch und optisch in neuem Outfit. Strandspaziergänger an der Promenade von Heringsdorf erkennen sofort an den farbigen Lichtern, dass sich dahinter zwei interessante Schwimmhallen verbergen und ein Besuch sich lohnen würde.